162

Kommission für Technologie und Innovation

Ausgangslage

Die Fördertätigkeit der Kommission für Technologie und Innovation KTI hat Innovationen zum Ziel, d.h. die Umsetzung neuer Technologien und neuen Wissens (organisatorische Neuerungen, Managementmethoden) in am Markt erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen. So leistet die KTI einen wirksamen Beitrag zur Erhaltung bzw. Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die KTI wird gemäss den Beschlüssen des Bundesrates zur Regierungs- und Verwaltungsreform ab 1. Januar 2000 die Agentur des Bundes für die Förderung der anwendungsorientierten, wirtschaftsnahen Forschung und Entwicklung im nationalen und internationalen Rahmen. Dies gilt auch für die wirtschaftsorientierte Ressortforschung anderer Bundesstellen, wobei eine Vertreterin oder ein Vertreter dieser Bundesstellen Einsitz in die KTI nehmen und bei der Evaluierung von Beitragsgesuchen die bestehenden Fachexpertennetzwerke mit einbezogen werden. Die KTI beachtet dabei gesetzlich vorgegebene, erweiterte Kompetenzen für deren Mittelvergaben (z.B. im Energiebereich). Desgleichen übernimmt die KTI die operative Verantwortung für die wirtschaftsorientierte Programmforschung des ETH-Rates "Der Nanometer in Wissenschaft und Technologie des 21. Jahrhunderts (NANO 21)" ausgerichtet auf die zukunftsgerichtete Umsetzung von neuen Technologien, die sich aus Gebieten zwischen traditionellen Disziplinen entwickeln und sich an Systemen der belebten Natur orientieren. Hierzu haben KTI und ETH-Rat eine Zusammenarbeit auf der Grundlage eines prozessorientierten Ansatzes vereinbart (vgl. Ziff. 142).

Wirtschaftsnähe resp. Anwendungsorientierung der KTI-Förderung bedeutet

wobei alle diese Kriterien gleichzeitig zutreffen müssen.

Die Kommission für Technologie und Innovation wird trotz der wesentlich erweiterten Aufgaben ihren Charakter als unbürokratisches, entsprechend effizient arbeitendes Milizorgan beibehalten. Sie organisiert ihre Tätigkeit in Leistungsbereichen. Damit werden die Entscheidungsprozesse gestrafft und der Kontakt zu den Gesuchstellern verbessert. Die Leistungsbereiche werden durch Kommissionsmitglieder der KTI betreut.

An den von der KTI geförderten Projekten sind Unternehmen beteiligt, die zu den innovativsten der Schweizer Wirtschaft gehören. Dies haben Untersuchungen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich sowie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe über die KTI-Fördertätigkeit in den Jahren 1990 bis 1997 bewiesen. Die Projektpartner der Wirtschaft sind überdurchschnittlich innovativ und stark auf zukunftsorientierten Gebieten tätig, sehr häufig auf Märkten mit günstigen Zukunftsaussichten. Die Wissenschaftler bestätigen, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen KMU von der Zusammenarbeit in KTI-Projekten profitieren.

Ziele und erwartete Resultate

Auch in den Jahren 2000 bis 2003 wird die KTI an ihren in langjähriger Praxis bewährten Förderprinzipien festhalten, erweitert um das Kriterium des Beitrags zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung.

Die verstärkte Ausrichtung auf KMU bleibt die zentrale Stossrichtung der KTI. KMU bilden nicht nur das Rückgrat unserer Wirtschaftsstruktur, sondern besitzen auch das grösste Potential für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, insbesondere über Neugründungen. Dabei wird sich die KTI vermehrt Projektpartnern aus dem Dienstleistungssektor öffnen. Das Kerngeschäft der KTI wird auch in den Jahren 2000 bis 2003 die 'klassische' Projektförderung gemäss dem 'bottom-up'-Prinzip bilden, offen für alle Themen im Bereich der wirtschaftsnahen und anwendungsbezogenen Forschung und Entwicklung mit einem ganzheitlichen, multidisziplinären Ansatz.

 

162.1

Kompetenzaufbau in F &E in den Fachhochschulen

Oberste Priorität hat für die KTI die Unterstützung des Kompetenzaufbaus in anwendungsorientierter F&E an den Fachhochschulen. Die KTI leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung der Fachhochschulen namentlich bei der Umsetzung ihres erweiterten Leistungsauftrages (vgl. auch Ziff. 143). Die Fachhochschulen bereichern die Wissens- und Technologietransfer-Landschaft der Schweiz nachhaltig, indem sie ihr Leistungsangebot zur Stärkung der betriebswirtschaftlichen und technologischen Kompetenz der KMU sozusagen flächendeckend verbreitern. Hiermit leistet die KTI einen namhaften Beitrag zur Valorisierung von Wissen.

 

162.2

Verbreitung und Professionalisierung der Initiative KTI Start-up!

In die gleiche Richtung, nämlich die Valorisierung von Wissen, d.h. die aktive und systematische Umsetzung des von der Forschung erarbeiteten Wissens in Produkte und Dienstleistungen der Wirtschaft bis zur Unternehmensneugründung, zielen die Verbreitung und Professionalisierung der Initiative KTI Start-up! zur Unterstützung von Unternehmensneugründungen im High-Tech-Bereich, einmündend in die Verbesserung der Kooperation von Wirtschaft und Staat im Bereich der besonders schwierigen sogenannten Seed-Phase, der Geburtsstunde von Neuunternehmungen.

 

162.3

Thematische Schwerpunkte, gegliedert nach Leistungsbereichen für die Rahmenkreditperiode 2000 - 2003

KTI-Fachhochschulen

Der Leistungsbereich KTI-Fachhochschulen fördert insbesondere den Kompetenzaufbau in anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung an den Fachhochschulen sowie den Aufbau nationaler Kompetenzzentren resp. Kompetenznetzwerken (nähere Angaben unter Ziff. 143).

Initiative KTI Start-up!

Die Initiative KTI Start-up! ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung des Ziels "Valorisierung von Wissen". KTI Start-Up! unterstützt Neu-Unternehmungen in der besonders schwierigen Startphase. Ziel ist, die Start-up-Firmen für eine Risikokapitalfinanzierung zu qualifizieren. KTI Start-up! ist Anlaufstelle für Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden und Menschen aus der Praxis, bietet Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ideen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen und fördert die technologische Weiterentwicklung in Zusammenarbeit mit Forschungs- und Bildungsstätten. KTI Start-up! stellt ein vernetztes Leistungsangebot qualifizierter Fachleute für technisch-wissenschaftliche und businessmässige Begleitung von Neu-Unternehmen zur Verfügung, prüft die Gründungsvorhaben durch ein hochkarätiges Gremium von Persönlichkeiten aus der Industrie und zeichnet die besten aus mit der Vergabe eines Labels "qualifiziert für die Risikofinanzierung".

Seit dem Start der Initiative KTI Start-up! im Jahr 1996 wurden zunächst im Rahmen einer Machbarkeitsphase 150 Start-up-Vorhaben geprüft, von denen 17 die Anerkennung als KTI Start-up! erhalten haben. Von diesen Neuunternehmen wurden bisher über 70 neue Arbeitsplätze geschaffen mit stark zunehmender Tendenz.

Die Initiative KTI Start-up! wird in den Jahren 2000 bis 2003 wesentlich ausgebaut im Sinne stärkerer Verbreitung, Erweiterung des Leistungsangebotes und hoher Professionalisierung der Dienstleistungen.

Private Investoren zeigen vermehrt Interesse an der Finanzierung der Seed-Phase von neuen Unternehmungen. Für die KTI ermöglicht dies neuartige und zukunftsbezogene Formen der Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft auf einer "Win-Win"-Basis mit direktem Nutzen für alle Beteiligten. Beispielswiese äufnet die Union Bank of Switzerland (UBS) im Rahmen ihrer KMU-Initiative einen Seed-Fonds von 10 Millionen Franken für Neuunternehmungen im High-Tech Bereich. Mit gemeinsamer Zielsetzung und sich ergänzenden Ansätzen haben KTI und UBS im August 1998 erstmals eine Zusammenarbeit vereinbart. Die UBS wird als erste Wirtschaftspartnerin am "Deal flow", d.h. am Projekt- und Informationsfluss von KTI Start-up! teilnehmen und das hochkarätige KTI-Expertennetzwerk zur Evaluation und Begleitung erfolgversprechender Projekte nutzen. Im Gegenzug leistet der UBS ‚Seed-Fund' der KTI - projektbezogen - einen Beitrag an die Netzwerk-Kosten. Weitere ‚Spielregeln' sind: Die Zusammenarbeit ist nicht exklusiv. Andere Organisationen der Privatwirtschaft haben gleiche Chancen mit der Initiative KTI Start-up! zu kooperieren. Die Unabhängigkeit der KTI und der privaten Investoren bleibt gewahrt.

Nach diesem Modell sollen zukünftig Kooperationsvereinbarungen mit weiteren Investoren abgeschlossen werden, so dass die Initiative KTI Start-up! mittelfristig finanziell selbsttragend werden kann.

Medizintechnik - Initiative MedTech

Der KTI-Leistungsbereich Medizintechnik (Initiative MedTech) will das Innovationspotential der Schweizer Medizintechnik-Industrie und ihre internationale Konkurrenzfähigkeit fördern durch die Unterstützung der Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien. Schwerpunkte von MedTech sind in den Jahren 1997 bis 1999 die Bereiche Implantate, Chirurgische Instrumente und Verfahren, Mikrosysteme für die Biochemische Diagnostik ergänzt durch ein Angebot an Qualifizierungsmassnahmen sowie Anreizen für KMU zur Kooperation mit anderen, damit die Herausforderungen der Märkte effizienter gemeistert werden. Beispiele sind die Einführung eines Qualitätsmanagement-Systems oder der Marktauftritt im KMU-Verbund zur besseren Positionierung von Produkten auf nationalen und internationalen Märkten. Die Bereiche Augenmedizin, Zahnmedizin und Physikalische Diagnostik werden gegenwärtig geprüft als Förderschwerpunkte in den Jahren 2000 bis 2003.

Aktionsprogramm Soft[net]

Die Wertschöpfung mit "Schweizer Software" soll wachsen. Aufbauend auf den Ergebnissen einer zweijährigen Machbarkeitsphase wird im Zeitraum 2000 bis 2003 ein Aktionsprogramm Soft[net] zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft durchgeführt. Sein Fokus liegt auf Informatik, Telematik und Multimedia und richtet sich besonders auf die Stärkung der Anwendenden sowie der Unternehmensleistung der von KMU geprägten Software-Industrie.

Neues Element ist die Kombination der bewährten KTI-Förderinstrumente zur Stärkung der Innovationsfähigkeit mit den getesteten Methoden der Qualifizierung von KMU-Unternehmungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dabei werden problemorientiert neue Qualifizierungsinhalte erarbeitet und über verschiedene Kanäle vermittelt. Ein erster Arbeitsschwerpunkt des Aktionsprogrammes Soft[net] ist der Aufbau und Betrieb eines nationalen Kompetenzzentrums resp. Kompetenznetzwerkes Software im Rahmen der Fachhochschulen (vgl. Ziff. 143). Das Aktionsprogramm Soft[net] trägt damit auch bei zur Schaffung der schweizerischen Hochschulnetzwerke. Weitere Aktivitäten sollen zu einer verbesserten Markttransparenz beitragen sowie die Kooperation zwischen den KMU stärken, um zu international leistungsfähigen Einheiten zu gelangen. Die Verbindung zu den Aktionen im Rahmen der "Informationsgesellschaft Schweiz" (vgl. Ziff. 123) ist über die Projektorganisation des BBT gewährleistet.

Aufbau der applikationsorientierten Berufsbildungsforschung

Die Berufsbildungsforschung steht zwischen den Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften. Das Niveau der Berufspädagogik im Sinne praxisbezogener Problemlösungen gilt als gering, gemessen an demjenigen der technischen Wissenschaften. Auch die Akzeptanz der Berufspädagogik war bisher eher schwach - ‚gesunder Menschenverstand' galt als ausreichend - mit entsprechend geringen finanziellen Mitteln für die Berufsbildungsforschung.

Die Berufsbildung mit ihrer Doppelstruktur von Ausbildung im Betrieb und Ausbildung in der Schule benötigt eine wirtschafts- und schulbezogene Bildungsforschung. Die Berufsbildungsforschung ist eine typische Querschnittsaufgabe. Sie fokussiert unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen, wie z. B. die Erziehungswissenschaften, die Bildungsökonomie oder die soziologische Systemtheorie auf die Bedürfnisse der Berufsbildung.

Ziele der Berufsbildungsforschung sind

Ein neuer Forschungsschwerpunkt sind die Lernleistungen der Bildungsteilnehmenden und die daraus resultierenden Folgewirkungen auf dem Arbeitsmarkt.

Die angewandte Berufsbildungsforschung wird mittelfristig als Leistungsbereich der KTI aufgebaut mit dem Ziel, in der Schweiz ein international akzeptiertes Niveau zu erreichen. Weiterhin soll die Berufsbildungsforschung in Bund, Kantonen, Hochschulen und Wirtschaft besser verankert werden. Die Datenbasis über die Berufsbildung ist zu verbessern. Ausländische Forschungsergebnisse sollen leichter zugänglich gemacht werden. Die personellen Ressourcen im Bereich der applikationsorientierten Berufsbildungsforschung sind zu verstärken und vorhandene besser zu nutzen. Ein Modellversuchsprogramm soll mittelfristig realisiert werden. All diese Aktivitäten werden in Verbindung mit der allgemeinen Bildungsforschung inklusive der Forschung im Bereiche Berufs- und Weiterbildung durchgeführt. Zur Information und Koordination tragen die Fachstellen in Aarau und Neuenburg bei.

 

162.4

CSEM

Der KTI-Leistungsbereich CSEM (Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique SA) bildet die administrative und operative Schnittstelle zwischen dem KTI-Sekretariat und dem CSEM, einer Forschungsinstitution im Bereich der Elektronik und Mikrotechnik gem. Art. 16 Forschungsgesetz (vgl. Ziff. 164).

 

162.5

EUREKA und IMS

Die KTI finanziert auch die Beteiligung der Schweiz an europäischen und internationalen Forschungsprogrammes, insbesondere die Initiative EUREKA mit insgesamt 25 Mitgliedsländern (vgl. Ziff. 173) sowie das weltweite Forschungsprogramm Intelligent Manufacturing Systems IMS (vgl. Ziff. 173).

Ressourcen

Für die Fördertätigkeit der KTI in den Jahren 2000 bis 2003 wird ein Rahmenkredit von 320 Millionen Franken beantragt. Die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Leistungsbereiche soll nach folgenden Richtwerten erfolgen:

 

KTI-Leistungsbereiche

Millionen
Franken

KTI-Kerngeschäft - prioritäre Ausrichtung auf KMU; inkl. ordentliche KTI-Projekte der Fachhochschulen

120

KTI-Fachhochschulen - projektbezogener Kompetenzaufbau an den Fachhochschulen

80

Initiative KTI Start-Up! - Aufwand für den Betrieb der Netzwerke

10

Initiative MedTech

20

Aktionsprogramm Soft[net]

30

Aufbau der applikationsorientierten Bildungsforschung

10

EUREKA

40

IMS

10

Total